Politischer Katholizismus
Maßgeblich für die Entstehung dieser Strömung etwa ab 1810 waren die vielfältigen Probleme, die für die Kirche durch die territoriale Neuordnung Deutschlands und die Säkularisation im Anschluß an die napoleonischen Kriege entstanden waren. Die Vorkämpfer des Politischen Katholizismus wollten der Kirche eine unabhängige und privilegierte Stellung im Staate (als öffentlich-rechtliche Körperschaft) verschaffen. Die staatliche Kirchenhoheit sollte abgebaut werden, die Kirche ihre Angelegenheiten völlig selbständig regeln und auf das Bildungswesen sowie das Institut der Ehe maßgeblichen Einfluß haben. In den ersten beiden Jahrzehnten war die Bedeutung dieser Bewegung eher gering und lokal begrenzt. Aufmerksamkeit erfuhr der Politische Katholizismus erst während der sogenannten Kölner Wirren, dem Mischehenstreit zwischen Preußen und der katholischen Kirche, der 1837 mit der Verhaftung des Kölner Erzbischofs Clemens August Freiherr von Droste seinen Höhepunkt erreichte. Der ehemalige Jakobiner Joseph Görres verteidigte in seiner weitverbreiteten Flugschrift „Athanasius“ die Rechte der Kirche; er sollte auch in der Folgezeit als Mitherausgeber der “Historisch - Politischen Blätter für das katholische Deutschland“ der bedeutendste katholische Publizist bleiben.